Seit dem Fernsehbericht in WDR Lokalzeit sind wieder mehrere Presseanfragen bei uns eingegangen. Darunter auch von WDR 2, dem wir dann letzte Woche ein Interview gegeben haben.
In seinem Radiobeitrag zu Bahntrampen kommt auch wieder der Sprecher der KVB zu Wort, allerdings mit einer gegenüber letzter Woche widersprüchlichen Aussage. Denn im Interview mit WDR Lokalzeit meinte er noch: "Wir finden das durchaus in Ordnung, denn unser Tarif gibt das her. Und wenn Menschen darauf aufmerksam werden, dann finden wir das erstmal grundsätzlich in Ordnung. Und ich sage immer, die Leute, die das machen, die machen für unseren Tarif kostenlose Werbung." [Video ab Min. 02:24]
Letzte Woche hat die KVB wohl nochmal darüber nachgedacht, denn im Interview mit WDR 2 heisst es nun: "Es ist eine Grauzone und wenn man es ganz scharf formulieren würde, müsste man sagen, es ist ein Missbrauch. Denn so ist diese Mitnahmeregelung nicht vorgesehen." [Audio ab Min. 01:56]
Die Aussagen bzgl. Grauzone und Missbrauch sind natürlich völliger Unsinn, was sich aus den Tarifbestimmungen des VRS ergibt. Darin steht z.B.: "Das SemesterTicket berechtigt wochentags ab 19.00 Uhr bis 03.00 Uhr des Folgetages sowie an Wochenenden und an gesetzlichen Feiertagen ganztägig zur unentgeltlichen Mitnahme einer Person über 14 Jahre [...]" [Punkt 6.1, Anlage 8, Seite 99 in den Tarifbestimmungen zum SemesterTicket des VRS]
Vielleicht kann Herr Berger uns ja mal die Stelle im SemesterTicket-Vertrag oder in den Tarifbestimmungen zeigen, wo der Begriff "Person" eingeschränkt wird bzw. wo festgelegt ist, wie diese Mitnahmeregelung vorgesehen ist.

Bahntrampen
Hallo,
da ich als Betroffener von Peter Hartz bin freut es mich das Ihr diese Aktion ins Leben gerufen habt die alle unterstützen sollten die es ermöglichen können.
Weitere Empfehlung ist. das diejenigen, die ein Monatsticket besitzen in den Verkehrsverbünden z.B. VRR: Bärenticket oder Ticket 2000. sollten sich auch daran beteidigen.
Ich habe in meinem Blog über Eure Aktion berichtet.
http://kaffdo.blog.de/2009/09/08/
"Widersprüche" oder "Steilvorlage"
Liebe Bahntramper,
ich würde den scheinbaren „Widersprüchen“ in den Aussagen des von mir sehr geschätzten Herrn Berger keine Bedeutung beimessen. Bei einer genauen Analyse ist das Zitat „Es ist eine GRAUZONE und wenn man es GANZ SCHARF FORMULIEREN WÜRDE, MÜSSTE man sagen, es ist ein Missbrauch. Denn so ist diese Mitnahmeregelung nicht vorgesehen." sogar als eine echte „Steilvorlage“ für die „Mitnahmeaktionen“ zu bewerten.
Im Einzelnen: „GRAUZONE“ – soll heißen „Nicht einmal wir wissen darüber Bescheid, keiner kann sagen, was richtig ist“ / „WÜRDE man es GANZ SCHARF formulieren, MÜSSTE (obwohl man es nicht will?) man sagen,…“ – soll heißen „Wir sind nicht in der Lage, einen eindeutigen Missbrauch feststellen zu können“
Eine wahre Kapitulationserklärung der KVB steckt schließlich in der Aussage „…so ist diese Mitnahmeregelung nicht vorgesehen“ – soll heißen „Wir sind total überrascht, dass zum einen Fahrgäste mit DauerTickets (AboTickets, JobTickets, SemesterTickets, etc.) fremde Personen auf Ihrem Ticket mitnehmen und andererseits sich Fahrgäste mitnehmen lassen“
Berücksichtigt man jetzt noch, dass die Aussagen aufgezeichnet wurden und die Interviewparterin eventuell nur auf das böse Wort „Missbrauch“ fixiert war, bleibt von einer berechtigten Kritik der KVB nicht mehr viel übrig.
In diesem Sinne - nicht bange machen lassen!
Christoph Schwers, Köln
(GUINNESS-Rekordhalter im Fahrgäste-Mitnehmen)
Zustimmung
Lieber Christoph Schwers,
ich muss Dir da ausdrücklich zustimmen. Ich glaube auch, dass sich hinter all den Formulierungen verbirgt, man will bei der KVB jetzt grade mal ein Auge zudrücken, behält sich aber eventuelle Einwände für später vor.
Ich habe grade übrigens entdeckt, dass Du tatsächlich einer der "Ahnen" der Bahntrampen-Bewegung bist: http://www.zeit.de/1996/27/Alles_ist_voellig_legal
Respekt! Da kann man aber auch sehen, dass die KVB sehr viel Geduld beweist, bis sie gegen ein "eigentlich irgendwie nihct ganz richtiges" Verhalten vorgeht ;-)
anderswo...
Ich habe in einem anderen Verbund erlebt, dass es dort ziemlichen Ärger gab, weil ein Fahrgast auf seine Jahreskarten(!) mehrere Nutzer gegen Entgelt mitgenommen hat. Damals fiel die Aussage, dass der Verbund natürlich so oder so Einnahmenverluste habe, aber diese dulden würde, solange das Prüfpersonal nicht merkt, dass jemand sein Ticket (gegen Entgelt) anbietet....
Ich denke, dass die KVB hier ähnlich denken dürften...
anderswo? -> ENTGELT
Sehr geehrter Leser,
so sehr ich mich über die Möglichkeit als solche und ihre erweiterte Nutzung durch Aktionen wie bahntrampen.de freue und dies auch selber aktiv wie passiv nutz(t)e,
muss ich doch sagen, das der Ärger wegen mitnehmen gegen Entgelt durchaus verständlich ist.
Immerhin versuchen die Verkehrsunternehmen mit ihrer Leistung Geld zu verdienen...
Wenn 'mal' Jemand Jemanden mit nimmt, wird das wohl allen beteiligten Unternehmen herzlich egal sein. Sobald aber jemand herkommt und versucht, auf Kosten der Verbände selber Geld damit zu erwirtschaften, ist der daraus resultierende Ärger nicht nur berechtigt sondern auch verständlich.
es grüßt